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Un voyage au pays de Milosz, la Lituanie - Seite 4
Dieser wunderschöne Dom im Zentrum von Wilna birgt, in der Kapelle des Heiligen Kasimir, die Reliquien des Heiligen, dessen Leichnam unverwest ist.
An einem thematischen Nachmittag haben die Miłosz-Freunde einige für die jüngere Geschichte des litauischen Volkes bedeutsame Orte besucht: das Museum der Toleranz und das der Deportation und des Genozids.
Das Toleranz-Museum erinnert mit Kunstwerken an die jüdische Bevölkerung, die im letzten Krieg vernichtet wurde. Dieses kleine bewegende Museum setzt der verschwundenen Welt der litauischen Juden oder „Litwaken" und ihrer Kultur ein Denkmal. Wilna, mit seinen hundert Synagogen, von denen nichts mehr übrig ist, wurde damals das „Jerusalem des Ostens" genannt.
Das Deportations- und Genozid-Museum befindet sich in einem Gebäude, das auf alten Kellergewölben errichtet wurde.
Dieses Gebäude diente während des Zweiten Weltkriegs der Gestapo und danach dem KGB. In Litauen umfasste der „Große Widerstand" bis zu 30 000 Menschen. Diese Leute verteidigten ihr Land, ihr Gebiet, und kämpften für die Unabhängigkeit. Als sie gefangen genommen wurden, verschwanden diese „Waldbrüder" ganz einfach. Sie wurden eingesperrt und verhört in unterirdischen Gängen, die 1978 ihren letzten Gefangenen sahen. Eine sogenannte „weiche" Zelle, mit dickem Stoff an den Wänden, erstickte die Schreie der geschlagenen Gefangenen, die in Zwangsjacken steckten.
In einem Nebenraum mussten die Gefangenen, die man am Schlafen hinderte, neben 1°C kaltem Wasser aufrecht stehen. Wenn sie einschliefen, fielen sie in dieses Wasser und wurden so „geweckt".
Am Ende dieses langen verwinkelten Ganges trug der letzte Raum ein Schild mit der Aufschrift „Küche". Sobald die Gefangenen über die Schwelle traten, wurden sie überrascht von einem auf ihren Schädel herabfallenden Beil erschlagen. Danach wurden die Körper heimlich beseitigt, auf verhängten Lastwagen gestapelt, auf denen auf Russisch „chleb" stand, das heißt „Brot".
Die Märtyrer, die nacheinander diese unterirdischen Gänge bevölkerten, werden heute verehrt.
Man weiß nicht, wie viele Menschen hier verschwunden sind. Am Eingang des Museums, auf der Außenmauer des Gebäudes, wurden Namen und Vornamen in den Stein gemeißelt: 1073 Personen sind bis heute bekannt. Allen diesen verschwundenen Hingerichteten hat man in Litauen Kreuze aufgestellt, auf dem berühmten Hügel der Kreuze.
Alle fanden nicht den Tod, manche wurden in den Gulag verfrachtet.

Ein Stockwerk des Museums ist dem Leben der nach Sibirien Verschleppten gewidmet, das sich bei Temperaturen abspielte, die nicht selten um die -50°C lagen.
Das Prinzip der Gulags war Folgendes: wenn ein Mensch verhaftet und des Ungehorsams gegenüber dem Regime überführt worden war, oder beschuldigt wurde, einen zu großen Landbesitz zu haben, wurde er im Durchschnitt für 17 Jahre nach Sibirien deportiert.
Frau und Kinder seiner Familie wurden voneinander getrennt und für die entsprechende Zeit ins Exil verbannt.
Dies war die Barbarei des 20. Jahrhunderts.
Über dem Eingangsportal bemerkt man drei Figuren - als „Außenminister" aus der Zeit des Großfürsten Algirdas arbeiteten sie auf dem heutigen Gebiet der Ukraine und von Belarus.
In der Zeit, als die Litauer noch Heiden waren, manche aber bereits katholisch, nahmen diese den orthodoxen Glauben an. Deshalb befahl der Großfürst, sie zu erhängen. 1347 wurden alle drei hingerichtet. Ihre Leichnahme wurden in einem Sarg aus Eichenholz gelegt und blieben dort auf wunderbare Weise erhalten. Der Sarg wurde in Wilna von einer in die nächste Kirche gebracht, um den Andrang der Gläubigen auf einen einzigen Wallfahrtsort zu vermeiden.
Im 20. Jahrhundert wurde der Sarg nach Moskau ins Atheismusmuseum verbracht. Später, in der Stalinzeit, sah ein Moskauer Pope litauischer Abstammung im Traum eine alte Frau zu sich kommen, die ihn bat, den Sarg zurück in sein Heimatland zu bringen. Bevor er ihn zurückbringen ließ, gab Stalin eine wissenschaftliche Expertise des Sarges in Auftrag, die keinerlei Ergebnis erbrachte. Man weiß, dass die Leiber bis heute intakt sind, weil dreimal im Jahr litauische Frauen sie ankleiden. Die Gesichter der Heiligen sind verdeckt, aber man kann ihre Hand- und Fußgelenke sehen.
Aktualisiert (Mittwoch, den 18. März 2009 um 10:38 Uhr)



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